Meinung eines Teilnehmers!

 

Mein Name ist Iris Muhm. Ich starte seit 1999 Orientierungsreitbewerbe. 2001 wurde ich ÖM, 2002 Vize-Weltmeister mit der österreichischen Mannschaft bei der WM in Andalusien/Spanien.

Das Orientierungsreiten ist eine relativ junge Sportart. Wie immer, wenn etwas Neues aufgebaut wird, werden Fehler gemacht, die nicht nur passieren, sondern die der Sache sogar dienen, da man diese aus den gemachten Erfahrungen künftig vermeiden kann.

In den letzten 10 Jahren hat sich Österreich zur 2.erfolgreichsten Nation in dieser Sparte entwickelt. Lediglich wegen eines Tierarztentscheids fiel die Österreichische Mannschaft bei der EM 2006 hinter die bisher nahezu unschlagbaren Franzosen auf den 2. Platz zurück. Soviel zu der Qualität der österreichischen Reiter im internationalen Feld.

Alle Reiter, die den letzten Triumpf für Österreich in England einfahren konnten, haben bei den ÖM in St. Stefan ob Leoben geschlossen auf ihren Start verzichtet. Die drei Steirer, die so nebenbei bemerkt als einzige Österreicher von rund 30 Teilnehmern den Bewerb am 2. Tag zu Ende geritten sind, waren an den internationalen Erfolgen nicht beteiligt.

Wenn bei einer Schularbeit mehr als die Hälfte der Schüler nicht positiv abschließt, muss die Arbeit wiederholt werden. Man braucht wohl kein Mathematikgenie sein, um zu erkennen, dass ungleich mehr als nur die Hälfte der Teilnehmer bei den ÖM in St. Stefan nicht abgeschlossen haben. Somit kann es sich wohl kaum um ein paar unfähige Querulanten handeln, die mit der Bewertung nicht zufrieden waren, so wie bisher immer dargestellt wurde. Ich selbst war am Abend der P.O.R. mit 8 Punkten Vorsprung auf Allmer Gerhard auf Platz 1 (allerdings haben sich über Nacht die Punkte plötzlich ins Gegenteil verwandelt, wodurch ich am Sonntag nur noch auf Platz 2 mit 8 Punkte Abstand hinter Allmer war). Der Sieg war mir so gut wie sicher, da mein Pferd in der M.A. nicht nur 39 Punkte wie Allmers Pferd laufen kann, sondern durchaus 55 Punkte erreichen kann. Und in der P.T.V. halte ich mein Pferd für ebenso qualifiziert wie Allmers, hatte ich in diesem Teilbewerb doch auch schon 155 Punkte erritten und die Aufgaben waren für mein Pferd „Joy“ maßgeschneidert.

Soviel nur zu den ständigen Vorwürfen, die verweigernden Reiter seien inkompetente Looser!

 

Nun zu den Fakten der Veranstaltung, bzw. den verantwortlichen Personen:

 

Es hat mich sehr gefreut, dass wir perfekt zum Veranstaltungsort eingewiesen wurden und alles gut beschriftet war. Die Wiese war mit den Boxen und den Fahrzeugen zwar vollständig ausgelastet, konnte aufgrund des schönen, trockenen Wetters der Beanspruchung durch die 40 Pferde aber locker standhalten. (2001 in Belgien war dies aufgrund des Dauerregens gelinde gesagt ein unzumutbares Problem).

In der Meldestelle gab es einige Unsicherheiten zur Zahlung, ein leichtes Schlucken verursachte bei mir auch die zusätzliche Verrechnung des Pferdefutters und der Einstreu. Bei 130 €, das ist fast das Doppelte wie bei vergleichbaren Veranstaltungen in Oberösterreich, fand ich die € 16 etwas heftig.

Leider wurde es am Freitag Abend auch nichts aus der Reiterbesprechung, die für 20:00 Uhr anberaumt war. Die Gutscheine für das in der Ausschreibung angekündigte Buffet bekamen die Reiter erst ca. um 21:00 Uhr, als alle schon gegessen hatten.

Über meinen persönlichen Ritt brauche ich bei diesem Ergebnis wohl nichts zu sagen. Über die allgemeinen Vorgänge auf der P.O.R. jedoch schon:

Absolut unüblich starteten wir mit Tempo 9 auf Dorfstraßen aus Asphalt in die Orientierung. Dies ist zugegebenermaßen nicht reglementwidrig. Schon kurz nach dem ersten Kilometer war der erste Zeichenfehler, die Strecke war um 50 m weiter vorgezeichnet, als reitbar, da die Route durch diesen Fehler an einem Bienenstock vorbeiführte, bei dem der Imker gerade arbeitete und letztlich an einem Einfamiliengrundstück endete. Also retour. Nicht einmal 500 m weiter war die Route wieder anders gezeichnet als reitbar. Diesmal wurden die Reiter 50m weiter in eine Kuhweide geschickt, hätten dann laut Karte 2 Stacheldrahtzäune durchbrechen oder überspringen müssen, um auf der gezeichneten Route zu bleiben. Auch hier war die Korrektur durch den Reiter kein Problem. Als der erst Reiter kurz darauf beim Checkpoint 1 eintraf, konnte der Richter noch nichts über eine weitere Durchschnittsgeschwindigkeit sagen, da die Tafel dafür fehlte und auch keine mündliche Vereinbarung gemacht worden war. Der Reiter ging mit Tempo 8 weiter, da in der Kürze des Aufenthaltes der Verantwortliche per Telefon nicht erreichbar war. Startnummer 2 konnte daraufhin ordnungsgemäß mit Tempo 8,5 weiter reiten. Startnummer 1 wurde das Tempo vom Verantwortlichen per Autofahrt nachgereicht. Vom Kamsberg runter nach ca. 3,5 km nach dem Start war der nächste Zeichenfehler, die Reiter hätten wieder mal ca. 75 m vor der eigentlich gemeinten Stelle durch eine mit Elektrozaun gesicherte Kuhweide queren müssen. Auch dies war vom Reiter selbstverständlich nach Sicherstellen der Tatsachen anstandslos hingenommen worden. Der weitere Verlauf der Route war eher unspektakulär, lediglich das hohe Tempo bei den hochsommerlichen Temperaturen mit Insektenattacken machten Ross und Reiter etwas zu schaffen. Somit war auch die Passage vor Checkpoint 3 eine physische Herausforderung, wo die Pferde auf einer Gemeindegrenze am Höhenkamm im Wald über Windbruchholz mit Tempo 8,5 entlang klettern mussten. Der Abstieg danach auf geebneter Forststraße mit Tempo 6 mutete dagegen fast lächerlich an. Durch den herrlichen Ausblick ins Tal konnte man schon 2 km davor den Checkpoint 4 ausmachen, wo die Pferde vom Tierarzt kurz gecheckt wurden und uns Reitern dann die Koordinaten ausgeteilt wurden. Ich vermisste auf diesem handschriftlichen Zettel die Dauer für diese Passage, und ob der darauf folgende Checkpoint in Idealzeit oder Maximalzeit zu erreichen sein. Für die Dauer gab es nur eine mündliche Zusage eines Richteranwärters. Beim Zeichen musste ich für mich erkennen, dass der Verantwortliche wohl nicht besonders viel Ahnung von der für uns Reiter gestellten Aufgabe hatte, führte P1 doch ins Nirgendwo Nähe dem Wiedereintritt in die Route, P2 ca. 1,5 km entfernt an einen unscheinbaren Punkt auf dem Weg zu P1 und P3, der der Schnittpunkt aus P2 und P1 mit Marschzahl errechnet ebenfalls an einen willkürlichen Punkt Nähe Wiedereintritt auf die Route. Laut Aussage des Veranstalters wäre die Gesamtroute zwar 35 km lang, mit den Koordinaten, ergab sich daraus aber eine Strecke von zumindest 40 km! Und das im Gebirge, wo man als Wanderreiter mindestens 25% Zuschlag für die Höhenmeter rechnet, eine beachtliche Aufgabe für unsere Pferde, noch dazu bei diesem Tempo!!!

Wegen abgesperrter Gatter war der Widereintritt auf die Route nur mit Querwaldeinreiten in steilem Gelände für mich lösbar, ebenso wie für unzählige weitere Reiter, die in den Koordinaten zeitlich hängen geblieben waren und sich uns erfahreneren Reitern, Fritz und Iris,  anschlossen. Die Richter an Checkpoint 5 taten mir etwas leid, da Steckenposten immer die erste Anlaufstelle für den Frust der Reiter für unlösbare Teilstrecken sind. Der Checkpoint 6 lag dann am Ausritt aus der Mur, aus der Karte eindeutig ersichtlich, aber von vielen Reiter wohl hinterfragt, ob dieser hochwasserführende Fluss die wirklich gemeinte Route ist, oder ein weiterer Zeichenfehler des Veranstalters vorliegt. Als an Tierquälerei grenzendes Tempo 8,5 habe ich allerdings dann noch den letzten Aufstieg zum Aichberg empfunden. Er wäre weder von der Steckenführung noch in der Höhe des Tempos nochwendig gewesen.

Ich betone nochmals, für mich persönlich und mein Pferd waren alle Anforderungen machbar. Ich hatte keinen Fehler gemacht und bin immer ganz knapp an der Idealzeit geritten. Beim Zieleinritt teile ich den dortigen Richtern schon mit, dass ich die P.O.R. gewonnen hatte, was sich in der Auswertung ja dann auch bestätigte.

Bei den Boxen erwartete uns schon der Tierarzt, der manche Pferde allerdings weder auf Sattel – noch Gurtendruck kontrollierte und zwischendurch für 1 ½ Stunden abgängig war. Laut Reglement sind die Pferde spätestens 30 Minuten nach Zieleinritt zu checken.

 

Nun das eigentliche Problem:

Da kein Verantwortlicher für die vielen Missgeschicke erreichbar war, heizte sich die Stimmung unter den Reitern immer mehr auf. Man wollte zumindest eine Entschuldigung hören, dann wäre vermutlich alles wieder ins Lot gekommen. Schließlich haben Fehler in der P.O:R. beim Orientierungsreiten eine traurige Tradition. Wie gesagt, dafür war niemand verantwortlich oder erreichbar.

Um den 2. Tag ebenso erfolgreich zu beschließen fuhr ich ungewöhnlich bald in mein Quartier, da ich nicht für die Streitereien, sondern für die Teilnahme an einer Meisterschaft bezahlt hatte.

 

Weiters:

Sehr eigentümlich kommt mir die doch deutlich befangene Haltung des Veranstalters für Vergehen gegen das Reglement vor. Wurde ein Kärntner Reiter wegen einer Unterhaltung mit einem Oberösterreicher über den Verlauf bereits bewältigter Strecke im Ziel sofort disqualifiziert (eindeutig nicht erlaubt!), so wurde ein Steirer Reiter, der die gesamte P.O.R. ohne Reithelm ritt (ebenfalls eindeutig nicht erlaubt), nicht mal verwarnt. Ein weiterer Steirer wechselte für die M.A. das Gebiss, (auch schriftlich als Regelverstoß in der ÖTO festgehalten), auch dieses wurde nicht beanstandet.

 

Für mich persönlich waren die ÖM eine sehr wichtige Veranstaltung und um daran teilzunehmen, hatte ich weder Kosten noch Mühen gescheut. Ich bin nicht auf die Veranstaltung gefahren, um sie zu boykottieren.

 

Wir reden hier schließlich von den Österreichischen Meisterschaften und nicht von einer Schnapspartie im Hinterzimmer des Kirchenwirtes.

 

Da in den letzten 8 Jahre viele Worte und wohlüberlegte Briefe immer noch nicht zum nötigen Erfolg geführt haben und Veranstalter nach wie vor ihre Aufgabe nicht entsprechend ernst nehmen, sahen sich die Reiter zu diesem unglaublichen Schritt genötigt, der mir persönlich wohl von allen Reitern die meiste Überwindung gekostet hatte, da es bei mir tatsächlich um was ging. St. Stefan ob Leoben hat den Zuspruch vom BFV für die Europameisterschaften im TREC 2010 erhalten, dies war die Generalprobe.

Besonders wir Reiter dieser Nation, die auch künftig noch International Bewerbe bestreiten wollen und somit immer wieder mit anderen Nationen in Kontakt kommen (anders als der Veranstalter, der allerdings solche Probleme sicherlich auch nicht erst bei der EM feststellen will), würden uns in Grund und Boden schämen müssen, sollte die wirkliche Aufgabe eines korrekten und sportlichen Wettkampfs dann so schmählich vernachlässigt werden.

 

Lieber Veranstalter:

Es tut mir wirklich Leid um diesen Eklat. Doch bei solch einer Veranstaltung ist die Prüfung des Teams auf Kompetenz gerade im sportlichen Bereich nicht zu verabsäumen. Schließlich haben wir nicht im Schulgarten der VS St. Stefan murmeln gespielt. Es ist mir klar, dass der Veranstalter Schaden erlitten hat. Mögen künftige Veranstalter sich ihrer Verantwortung schon im Vorhinein bewusst sein.

 

Mit reiterlichem Gruß

Iris Muhm aus dem  BundesländerMannschaftsmeister Team OÖ1 Gold 2008