Leserbrief ÖM in St. Stefan Leoben.

 

Liebe Judith Egger (Juniorenmeisterin 2008 im Orientierungsreiten) zu Deinem Leserbrief vom 30.7.08 möchte ich nun doch einiges anmerken:

Prinzipiell ist es so wie sonst auch im Leben, dass die Sicht auf eine Sache, und was man dabei sieht, im wesentlichen von der Sache selbst, als auch vom eigenen Standpunkt und dem daraus resultierenden Blickwinkel resultiert. Wenn jemand sein ganzes Leben auf dem Boden eines Kaffeehäferls aufgewachsen ist, besteht sein Weltbild im wesentlichen aus einem Boden, einer zylindrischen Wand und einem kreisförmigen Stück Himmel darüber.  Von dem Henkel, der Tasse, dem Tisch etc. hat er keine Ahnung, wie denn auch. Sein Weltbild ist daher von den ihn betreffenden Umständen bestimmt, und damit sehr eingeschränkt.

Wenn Du dich nun in Deinem Leserbrief  über das Verhalten der anderen Reiter beschwerst, und versuchst die Schuld an dem Desaster irgendwelchen "Oberösterreichern" "anzuhängen" gleicht dies dem Blick aus dem Kaffeehäferl. Das angebliche Verhalten der durch Veranstalterfehler um die "Österreichische Meisterschaft"  gebrachten Teilnehmer, ist menschlich verständlich, und zeigt was vom Wert  der "Restmeisterschaft" zu halten ist. Wenn nur mehr 4 Deutsche Gäste (die nicht Österreichischer Meister werden können) und 2 Erwachsene Steirer und eine jugendliche Steirerin reiten ist das Ergebnis wohl klar. Selbst wenn sich diese drei verkehrt aufs Pferd setzen und das Gebissstück unter die Schweifrübe des Pferdes klemmen, wird es einen Ö-Meister aus der Steiermark, einen Ö-Vizemeister aus der Steiermark sowie eine Ö-Juniorenmeisterin aus der Steiermark geben, soferne sie nur richtig durchs  Ziel reiten und kein Kontrolltor auslassen. Die Missstimmung euch gegenüber ebenso wie die sportliche Wertminderung eurer Titel ist daher nur Teil eines Kollateralschadens, den der Veranstalter und seine Helfershelfer verursacht haben.

Es wird kolportiert dass Du die Stieftochter jener Person seiest, welche die POR ausgearbeitet hat, oder dich zu dieser Person in einem einer Stieftochter ähnlichem Naheverhältnis  befindest (ist auch egal denn im Pferdesport reitet man auch auf dem Pferd und nicht auf dessen Papier). In Anbetracht aller anderen Fehler die vom Veranstalter gemacht wurden, wird man  Dir misstraut haben, auch wenn du dir das wahrscheinlich nicht verdient hast. Wie oben erwähnt, erscheint ein und die selbe Sache, von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet, oft sehr unterschiedlich. Es gab auch weitere Vorfälle für die Du selbst nichts kannst, die jedoch in Anbetracht der anderen Vorfälle auf die Waagschale gelegt werden, und Dir im Ansehen zum Nachteil gereichen. Es wurde eine Fiterichterin nicht zu jenem Bewerb zugelassen, in dem ihre Nichte ritt, weil man (angeblich seitens des Veranstalters) befürchtete dass die Tante die Nichte bevorzugen würde. Im Zuge der immer größer werdenden  Probleme mit der POR Strecke während des Rittes und der immer nachdrücklicher werdenden Frage nach dem Verantwortlichen stellte sich dann heraus das jene Person die Strecke ausgearbeitet hat, der ein Naheverhältnis mit Dir nachgesagt wird. Selbst wenn Du keine Vorteile daraus ziehen konntest, sind Dir die Nachteile gewiss, denn der Schatten des Misstrauens fällt gewiss auf Dich. Hat nicht ein deutscher Richter festgestellt dass Dein Pferd lahmt, und hat nicht dann der vom Veranstalter bestellte Tierarzt das Pferd für den Bewerb freigeben? An sich eine normalerweise harmlose Sache, diese wird aber so zu einem Mosaikstein  in einer moralischen Anklage gegen den Veranstalter. War nicht Muhm Iris nach der POR am Abend Reihungslistenerste und Allmer Gerhard zweiter? Wie kam es über Nacht zum Reihungssturz (Allmer 1. und Muhm 2.) siehe Leserbrief on Muhm. Was sollen also die anderen Reiter von dieser Veranstaltung, dem Veranstalter und jenen 3Reitern, die diese Veranstaltung fertig ritten, halten? Versetz dich einmal in ihre Lage, nimm ihren Standpunkt ein und betrachte aus ihrem Blickwinkel die ganze Angelegenheit. Deine Schuldzuweisungen an die "Oberöstereicher" zielen schlicht und einfach auf den falschen Personenkreis. Wenn Du Schuldige suchst, solltest Du beim Veranstalter und in Deinem persönlichen Umfeld beginnen, du wirst fündig werden. Jenes Geschreibsel, welches in einem elektronischen Zeitungsartikel veröffentlicht wurde, nachdem die Oberösterreicher den Steirern  was demonstrieren wollten wegen der EM- Austragung ist absoluter Schwachsinn und unter jedem Niveau, ein jämmerlicher Versuch von Versagern die Schuld am eigenen Versagen anderen öffentlich anzuhängen, Du solltest Dich in Deiner Argumentation nicht auf diese Niveau herablassen. In der Steiermark haben möglicherweise einige noch nicht begriffen dass eine EM im Orientierungsreiten nicht primär aus dem Rahmenprogramm besteht, aber sie haben ja noch Zeit bis 2010.

Im Anbetracht dessen, dass aus den Erfahrungen der Vergangenheit bei Bewerben in der Steiermark zwar mit Problemen zu rechnen war, jedoch das ganze Ausmaß und die daraus resultierenden Entwicklungen nicht absehbar war, wird schon demnächst außerhalb der Steiermark eine Zusammenkunft  einiger "Masterminds" stattfinden, und wir werden beraten wie wir einerseits den Bundesreferenten Scheifinger in seinen Bemühungen unterstützen können, was wir für den Veranstalter der EM2010 in der Steiermark tun können, damit die Veranstaltung auch für den Sport und Österreich würdig verläuft, und wir werden uns auch über Dich unterhalten wie man  dich fördern kann und wie man Dich zukünftig aus dem Schussfeld nehmen kann wenn die Gefahr besteht dass Du unverschuldet zwischen irgendwelche Fronten kommst. WIR stehen jedenfalls zu Dir, auch wenn wir nicht aus der Steiermark sind.

Überraschend, aber auch schön anzusehen, ist das ausgewogene Verhältnis zwischen Konkurrenz im Bewerb und Zusammenhalt bei grundsätzlichen Dingen in der österreichischen Orientierungsreitsportszene. Meine Hochachtung gilt den Teilnehmern der anderen Bundesländer die den Bewerb abgebrochen haben, um im weitesten Sinne die EM zu retten.

 

Name d. Red. bekannt / 31.7.2008